Guinea

Freude über die neue Toma-Bibel

21.11.2023
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5
Min.
Die neue Toma Bibel

Kannst du dir vorstellen, dass es in deiner Muttersprache noch keine Bibelübersetzung gibt? Oder hast du dich mit anderen schon darüber unterhalten, welche Bibelübersetzung wohl die bessere ist? Hier in Westafrika ist es für viele Volksgruppen ein Privileg, wenn Teile der Bibel in ihrer Muttersprache überhaupt existieren.

Vor 31 Jahren hat Jürg Pfister, damals mit SAM global in Guinea im Einsatz, gemeinsam mit zwei Toma-Pastoren begonnen, die Bibel für die Volksgruppe der Toma zu übersetzen. Nach ihm haben Laura und Jeff W. (Bild oben in der Mitte) mit einheimischen Personen viel Zeit in diese Aufgabe investiert. Nun ist die komplette Bibel in der Sprache der Toma verfügbar und dies wurde Ende Juni in einem grossen Fest gefeiert.

Voll besetzter Festsaal

Ausdruck grosser Dankbarkeit

Die in die Übersetzung involvierten Personen wurden geehrt, verdankt und beschenkt, beispielsweise mit Colanüssen oder traditionellen Kleidern. Zwischen den Reden traten verschiedene Chöre mit Lobpreisliedern auf und Tanzgruppen zeigten ihr Können. Das erste Exemplar der Toma-Bibel war schön verpackt und wurde in einer grossen Zeremonie feierlich ausgepackt. Der grosse Saal war mit mehreren hundert Personen bis auf den letzten Platz gefüllt und man konnte spüren, wie dankbar die Leute sind, nun endlich die Gute Nachricht in ihrer Sprache zu haben.

Verdankung der Personen, die an der Übersetzung der Bibel auf Toma mitgewirkt haben

Im Anschluss an die Bibeleinweihung konnte man die druckfrische Bibel zu einem Vorzugspreis kaufen. Wenige Wochen vor der Zeremonie war eine ganze Lastwagenladung voll mit Toma-Bibeln angeliefert worden. Diese hat man in einem Nebenraum einer Kirche eingelagert. Kurz nach dem Start der Zeremonie im Zentrum der Stadt wurde bemerkt, dass die Bibeln noch in diesem Nebenraum lagerten und also gar nicht vor Ort waren. So mussten kurzerhand mit dem Auto kistenweise Bibeln geholt werden. Man ist und bleibt spontan – c’est la Guinée!

In der Schule lernen die Menschen nur auf Französisch schreiben und lesen. Darum ist das Lesen in der neuen Toma-Bibel für viele gewöhnungsbedürftig. Wer jedoch Toma spricht und auf Französisch lesen kann, dem fällt es oft nicht allzu schwer. Kürzlich traf ich einen unserer Wächter und sah ihn in der neuen Toma-Bibel lesen. Auch für ihn ist es das erste Mal überhaupt, dass er ein Buch in Toma liest.

Freude über Gottes Wirken in den vielen Jahren

Audioaufnahmen in Maniya

Seit gut zehn Jahren übersetzt eine amerikanische Familie mit ihrem Team in einer benachbarten Kleinstadt in Liberia die Bibel in die Sprache der Maniya. Vor einem Jahr konnte die Übersetzung des Neuen Testamentes abgeschlossen werden, aktuell arbeiten sie am Alten Testament. Im September und Oktober dieses Jahres fanden die Audioaufnahmen des Neuen Testamentes statt. Dazu reisten zwei Aufnahme-Techniker aus Ghana an. Weiter waren etwa ein Dutzend Sprecherinnen und Sprecher aus dem Volk der Maniya notwendig. Voraussetzung dafür war, dass diese Personen eine verständliche Aussprache hatten und die lokale Sprache gut lesen konnten. Die Aufnahmen sind nun abgeschlossen. Aktuell werden die Daten bearbeitet und teils noch mit Hintergrundmusik ergänzt. Voraussichtlich ab Ende Jahr sind die fertigen Audiodateien verfügbar. Wir freuen uns sehr darauf.

Die Bibel im Audioformat ist unendlich wertvoll: Zum einen gibt es hier viele Menschen, die nicht lesen und schreiben können, zum anderen leben wir in einer oralen Kultur, wo man einander stundenlang bei einer Tasse Tee Geschichten erzählt. Wir haben das Privileg, dass wir die Bibeln, meist im Audioformat, verteilen dürfen. Wir sind so dankbar für die unzähligen Arbeitsstunden, welche investiert wurden, um das Wort Gottes in die lokalen Sprachen zu übersetzen. Kürzlich erzählte uns ein Pastor, dass er auf dem Markt unserer Kleinstadt unterwegs war. Da hörte er in einer Ecke, dass einige Marktstandbesitzer gemeinsam einen Bibeltext in Pular hörten. Und nur wenige Meter weiter ertönte ein Bibeltext in Malinke. Möge das lebendige Wort die Herzen verändern!

«Annehmbares» Buch

Für einen bekennenden Muslim ist es nicht einfach, wenn bei ihm zu Hause ein Buch liegt, auf dessen Rücken oder Umschlag gross «BIBEL» zu lesen ist. Daher ist es von Vorteil, wenn die Bibel auf dem Cover mit «Die Heilige Schrift» oder «Die Gute Nachricht» beschriftet ist. So haben wir als SAM global 2’000 Bibeln als «Saintes Écritures» mit einem ansprechenden Design, das etwas ähnlich ist wie das des Koran, drucken lassen. So sind sie auch für Muslime annehmbar und werden hoffentlich gelesen.

Die ansprechend gestalteten Bibeln sind gedruckt und stehen bereit

Unverhoffte Verstärkung

Raphael und Mirela P. sind im Mitte Juli in die Schweiz zurückgekehrt. Während ihrer Zeit in der Waldregion konnten sie vielen Personen die Gute Nachricht weitergeben und Kontakte knüpfen. Wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit, die wir hier erleben durften. Unmittelbar vor ihrer Abreise fand eine Schulung (Sending Ministry) statt, in der lokale Christen ausgebildet wurden, um die frohe Botschaft von Jesus Christus kontextualisiert weiterzugeben. Während dieser Schulung entschied sich I., zusammen mit seiner Familie von der Hauptstadt in die Waldregion zu ziehen, um hier mit anzupacken. Da er ursprünglich aus dieser Region stammt, spricht er die lokalen Sprachen und seine Frau und er sind uns oft eine grosse Hilfe, wenn wir kulturelle Fragen haben. Wir sind dankbar für ihre tatkräftige Unterstützung.

Herzlichen Dank für euer Interesse und eure Unterstützung.
Daniel und Sidonia S., Projektleitung

SAM global
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